Praktiker Pleite 2013: Insolvenz mit Ansage

Stephan Frey
Stephan Frey
4 min Lesezeit

Praktiker Pleite 2013: Insolvenz mit Ansage, Max Bahr von Pleite nicht betroffen – Die Baumarkt-Kette Praktiker hat Insolvenz angemeldet. Nachdem die Verhandlungen über ein neues Sanierungskonzept gescheitert waren, musste das Unternehmen den schweren Gang zum Insolvenzgericht antreten.

Praktiker Pleite 2013 Insolvenz News

Der gestellte Insolvenzantrag betrifft zunächst acht Tochtergesellschaften.

Max Bahr von Insolvenz nicht betroffen

Das Dachunternehmen, die Praktiker AG, will den Insolvenzantrag noch nachreichen. Im Zuge des gestellten Insolvenzantrages brach die Aktie des Unternehmens um 70 Prozent, auf nunmehr elf Cent je Aktie, ein. Bereits seit Jahren kämpft das Unternehmen ums Überleben.

Durch die Insolvenz will Praktiker in die Lage versetzt werden einen Sanierungsplan für die 168 Praktiker-Baumärkte und die ebenfalls betroffenen Extra Bau + „Hobby-Märkte“ zu erstellen.

Die ebenfalls zum Unternehmen gehörende Max Bahr-Gruppe ist von der Insolvenz nicht betroffen. Das gleiche gilt für das internationale Geschäft der Unternehmensgruppe.

Kreditversicherer zog Garantien zurück

Bereits im Herbst 2012 versuchte das neue Management des Unternehmens Praktiker zu sanieren. So sollte ein Teil der Praktiker-Baumärkte auf die Max Bahr-Gruppe verteilt werden. Im Jahr 2006 hatte Praktiker Max Bahr übernommen.

Offenbar ging diese Taktik auch zunächst auf. Die betroffenen 54 ehemaligen Praktiker-Märkte erzielten unter dem neuen Label “Max Bahr“ “deutlich höhere Roherträge“, so das Unternehmen in einer Stellungnahme.

Getroffene Finanzierungsvereinbarungen mit österreichischen und britischen Finanziers scheiterten offenbar an anderen Gläubigern.

So hat ein Kreditversicherer sich geweigert, weitere Waren vorzufinanzieren und die entsprechenden Garantien hierfür zurückgezogen. So jedenfalls will es die Nachrichtenagentur Reuters erfahren haben.

Discount-Strategie als Grund für die Pleite?

Der Verkauf der in Luxemburg ansässigen Tochtergesellschaft sollte 13 Millionen Euro in die Unternehmenskasse spülen, dieser scheiterte ebenfalls.

Dadurch fehlten dem Unternehmen Summen von 30 bis 50 Millionen Euro. Ökonomen sehen insbesondere die Discount-Strategie der Praktiker-Baumarktgruppe als Grund für die Pleite.

Der Rabatt in Höhe von „20 Prozent auf alles bis auf Tiernahrung“, ist wohl jedem aus entsprechenden Werbespots bekannt.

Offenbar zogen dadurch die Verkaufszahlen an, die Gewinne taten dies jedoch nachweislich nicht. Neben der finanziellen Pleite drohen insbesondere mehrere 1000 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze zu verlieren.

 Mitarbeiter müssen Zeche für Missmanagement bezahlen

Besonders tragisch, die Mitarbeiter hatten für einen Zeitraum von drei Jahren auf 5 Prozent ihres Jahresgehalts verzichtet, um das Unternehmen finanziell zu unterstützen. Allein in Deutschland sind für Praktiker und 12000 Menschen tätig.

6000 davon bei Max Bahr. Insbesondere in den neuen Bundesländern wie Brandenburg, wo 580 Mitarbeitern betroffen sind und Berlin, wo 130 Mitarbeiter ihre Arbeit zu verlieren drohen, sitzt der Schock bei den Betroffenen deshalb tief.

Aber auch in den alten Bundesländern sind zahlreiche Menschen von einer möglichen Schließung der Filialen betroffen. Letztlich müssen wieder einmal einfache Mitarbeiter für Fehler des Managements ihre Köpfe hinhalten, eigentlich nichts Neues, wie das Beispiel Schlecker zeigt. Tragisch ist es dennoch.

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Bsp. Grafik zum Artikel: Praktiker Pleite 2013 / Insolvenz News (c) cc/ToShU

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