Sebastian Edathy: Opfer einer Intrige?

Stephan Frey
Stephan Frey
3 min Lesezeit

Sebastian Edathy: Opfer einer Intrige? – Der bisherige SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy hat am Freitag vergangener Woche dem Bundestagspräsidenten Lammert den sofortigen Verzicht auf sein Bundestagsmandat mitgeteilt.

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Als Begründung gab der frühere Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses gesundheitliche Gründe an.

„Die Harke“: Hinweis aus SPD-Landesvorstand erhalten

Am Montag wurde durch die Lokalzeitung “die Harke“ ein Artikel veröffentlicht, der eine Durchsuchung der Wohnung von Edathy beschreibt und sogleich eine vermeintliche Begründung hierfür angibt.

Der zuständige Redakteur will, wie er im NDR-Interview mitteilt, durch Quellen aus dem SPD-Landesvorstand erfahren haben, dass gegen den bisherigen SPD-Politiker wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials ermittelt wird.

Staatsanwaltschaft gibt kein Statement ab

Die zuständige Staatsanwaltschaft Hannover indes äußert sich in keinerlei Weise zu den genannten Vorwürfen.

Wie der NDR mittlerweile recherchieren konnte, tauchte der Name Edathy im Zusammenhang mit Ermittlungen des Bundeskriminalamtes (BKA) im Rahmen von Ermittlungen gegen Kinderpornographie auf.

So sei die IP-Adresse im Zusammenhang mit der Zerschlagung eines internationalen Kinderpornografie-Rings ermittelt worden. Der bisherige Bundestagsabgeordnete indes weist auf Facebook in einer Pressemitteilung die Vorwürfe entschieden zurück.

Posing-Bilder schon Kinderpornografie?

Da jedoch seine private Wohnung durch den Reporter der Lokalzeitung “Die Harke“ fotografiert und veröffentlicht wurde, will Edathy Strafanzeige in der Sache stellen. Zudem ist fraglich, ob die Aufnahmen überhaupt der Kinderpornografie im juristischen Sinne zuzuordnen sind.

Bei den Aufnahmen soll es sich nach Angaben der “ARD Tagesschau“ um Aufnahmen handeln, die das so genannte Posing darstellen.

Dabei kommt es nicht zu sexuellen Handlungen, sondern die abgebildeten Kinder oder Jugendlichen posieren nackt vor der Kamera. Ob im strafrechtlichen Sinne hierbei bereits Kinderpornografie vorliegt oder nicht, müssen die entsprechenden Strafverfolgungsbehörden beurteilen.

Zumindest darf auch das Posing als sehr fragwürdig zu bezeichnen sein, da nicht geklärt ist, ob die abgebildeten Kinder und Jugendlichen freiwillig vor der Kamera posieren oder möglicherweise dazu gezwungen werden. Außerdem kann das Posuing als „Einstiegsdroge“ für Pädophile gewertet werden.

Zahlreiche Ungereimtheiten

Der Fall weist jedoch zahlreiche Ungereimtheiten auf. So galt Edathy als unbequemer Politiker, der hart ins Gericht mit den entsprechenden Geheimdiensten im Rahmen seiner Tätigkeit als Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses ging.

Zudem soll er sich auch in der eigenen Partei nicht unbedingt Freunde gemacht haben.

Aus diesem Grunde hält der frühere niedersächsische Innenminister Heiner Bartling auch eine Retourkutsche durch entsprechende Kreise für durchaus möglich.

Trotz der schwerwiegenden Vorwürfe gilt für Sebastian Edathy das, was für jeden anderen in einer ähnlichen Situation auch gilt, nämlich die Unschuldsvermutung.

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Bsp. Grafik zum Artikel: Sebastian Edathy (c) CC BY/blu-news.org

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