Günter Grass Israel-Gedicht: Musste es gesagt werden?

Stephan Frey
Stephan Frey
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Das Günter Grass Israel-Gedicht: Schriftsteller Günter Grass hat kurz vor Ostern mit seinem Israel-kritischen Gedicht „Was gesagt werden muss“ die Öffentlichkeit aufgeschreckt.

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Im Gedicht warnt der Literaturnobelpreisträger insbesondere vor einem Krieg zwischen Israel und dem Iran.

Günter Grass: Israel kritisiert

Unter anderem will Grass eine geplante U-Bootlieferung aus Deutschland an Israel verhindert wissen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kritisierte das Gedicht derweil mit scharfen Worten.

Im Iran hat die staatliche Nachrichtenagentur IRNA das Gedicht von Günter Grass hingegen als „Tabubruch“ gelobt.

Presse: Einhellige Kritik an Günter Grass

Die Presse innerhalb Deutschlands kritisiert indes die Haltung von Günter Grass zu Israel.

Insbesondere die Tatsache, dass Grass in der Waffen-SS war und erst im Jahre 2006 erstmals darüber sprach, macht Grass nun angreifbar.

Grass will derweil auf keinen Fall seine Aussagen widerrufen. Kritiker von Günter Grass sprechen derweil von „politisch korrekten Antisemitismus“ und einem „Dokument der Rache“.

Wer das Gedicht aber genau liest, findet in den Zeilen von Grass unter anderem den Satz „….dem Land Israel, dem ich verbunden bin und bleiben will…“. Ebenso wird der iranische Machthaber als „Maulheld“ dargestellt.

Grass verweist in seinem Gedicht ebenso auf die Gefahr hin, aufgrund seiner Aussagen als Antisemit an den Pranger gestellt zu werden. Ebenso verweist er auf die unglaublichen Gräueltaten, die dem jüdischen Volk durch Deutsche angetan wurde.

Günter Grass: Antisemitisches Gedicht?

Ist also das Günter Grass-Gedicht antisemitisch, weil es Israel an den Pranger stellt?

Ist die Presse, wie es Günther Grass in einem Interview mit den ARD-Tagesthemen formulierte, „gleichgeschaltet“? Es hat zumindest den Anschein, als ob dem vielfach so sei.

Israel vom Iran bedroht

Fest steht, Israel wird vom Iran in seiner Existenz bedroht, so stellt es Israel selbst dar. Ist dem aber so? Klar ist, dass der Iran das Existenzrecht Israels zumindest verbal immer wieder infrage stellt.

Fest steht auch, dass Israel bereits mehrfach mit einem Militärschlag gegen den Iran gedroht hat. Ebenso steht aber auch fest, dass selbst der treue Verbündete, die USA, Israel vor diesem Schritt warnen.

Israel indes nimmt sich bis jetzt von diesem Ratschlag jedoch nicht allzu viel an. Der Iran ist an der Anzahl der Waffen und der Soldaten jedoch nicht der Irak oder Libyen.

Iran: Millionenheer und neueste Waffentechnologie

Der Iran verfügt über ein Millionenheer mit zum Teil neuester Waffentechnologie. Insofern kann durch einen „Präventivschlag“ Israels in der Tat ein Flächenbrand entstehen.

Völlig unabhängig von der Religion der beteiligten Völker, besteht also die Gefahr einer Ausbreitung des Konfliktes. Grass verweist in seinem Gedicht ebenso auf ein „Unterordnen des Schweigens in Bezug zu Israel“ hin.

Macht Israel sich Schuldgefühle Deutschlands zunutze?

Macht sich also das Land Israel die berechtigten Schuldgefühle Deutschlands in Bezug zu seinen eigenen Interessen zunutze?

Diese Frage zu verneinen, würde zumindest in subjektiver Hinsicht vielfach als glatte Lüge empfunden werden.

Auch die Tatsache, dass ein Land wie Israel, dessen jüdische Immigranten von Deutschen unter den schlimmsten Umständen die sich ein Mensch überhaupt nur vorstellen kann, unter dem Hitler-Regime, behandelt und dann umgebracht wurden, von dem einstigen Land das die eigenen Menschen umbrachte, nun selbst Tötungsmaschinen, sprich Waffen, kauft, sollte zumindest beiden Seiten zu Denken geben.

Frage der Moral: Damalige Opfer kaufen Waffen von einstigen Tätern

Der Gedanke, dass die einstigen Mörder nun den einstigen Opfern Waffen verkaufen, damit diese damit andere unschuldige Menschen töten, denn zu nichts anderem sind Waffen gedacht, sollte ebenso bitter aufstoßen.

Auch macht sich Deutschland an einem möglichen Präventivschlag ebenso mitschuldig, denn es sind letztlich auch deutsche Waffen, die töten.

Insofern wird auch Deutschland indirekt zum Mittäter. Hat also Günther Grass antisemitische Gedanken geäußert, indem er sein Gedicht aufschrieb?

Grass warnt vor unkalkulierbarem Flächenbrand

Die Antwort lässt sich klar mit einem „Nein“ beantworten. Günter Grass will mit seinem Gedicht warnen, vor einem unkalkulierbaren Flächenbrand, vor einem unermesslichen Leid, das letztlich allen Menschen der Region Leid und Trauer zufügen wird.

Gerade weil Deutschland Lehren aus seiner Geschichte gezogen hat, dürfen deutsche Waffen nicht mehr töten

Gerade deshalb wäre jede Granate, jeder Schuss eines deutschen U-Boot-Torpedos mit einer Gegenreaktion des Iran verbunden.

Letztlich wäre Deutschland damit auch wieder Schuld am Tod von Zigtausend unschuldigen jüdischen Menschen und ebenso von muslimischen Menschen, die unter dem iranischen Regime letztlich ebenso leiden, wie der Rest der Welt.

Günter Grass Gedicht Was gesagt werden muss Author SelMcKenzie Selzer-McKenzie

Fazit: Es musste gesagt werden

Günter Grass spricht in seinem Gedicht von einer „Heuchelei des Westens“, diese Heuchelei ist in der Tat eine, denn sie verschweigt auch die indirekte Anwendung von deutschen Waffen in diesem Konflikt. Dies gilt übrigens auch für den Iran.

Auch dieser ist mit deutschen Waffen, wenn auch aus illegalen Rüstungsexporten ausgestattet. Insofern würde in einem Konflikt zwischen Israel und dem Iran in jedem Fall auch erneut ein jüdischer Mensch durch deutsche Waffen sterben.

Diese Kritik an der Sache und hier insbesondere an Israel, als Antisemitismus abzutun, ist daher letztlich eine Verdrehung der Tatsachen, denn Israel droht mit dem Präventivschlag, nicht der Iran. Dieser wird, wie Günter Grass es in seinem Gedicht formulierte, derweil von einem „Maulhelden“ regiert.

Und bekanntlich beißen Hunde, die bellen, in der Regel nicht. Insofern musste gesagt werden, was Grass sagte, aller Kritik seitens der Presse oder Publizisten wie Herrn Broder oder anderer zum Trotz.

Zum Thema: Iran-Israel Krieg? Angriff vorerst abgesagt

Video ZDF original Bericht, Gedicht - was gesagt werden muss


Bsp. Grafik zum Artikel: Günter Grass Gedicht (c) st

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14 Kommentare
  • Günter Grass hat völlig Recht. Die Scheinheiligkeit in diesem Land ist kaum noch zu ertragen! Israel und der Iran steuern auf einen atomaren Krieg zu, und keiner will es wahr haben!

  • Nur eine Frage: Warum darf man Israel nicht kritisiern? Über Israel wird nicht gelogen. Solange man keine Gesetze brichst,kann jeder,was sagen,tun und lassen was er will. So scheint nicht in deutschland zu sein,nur 98% traut sich was zu sagen,Wie Herr Günter Grass gesagt hat.

  • BTW: Die gute Frau Klarsfeld hat sich zu Wort gemeldet…Grass wurde ja zum Kriegsende zwangseingezogen von der SS, während Klarsfeld von sich aus und ohne jeden Zwang mit der StaSi kooperierte. Das zeigt klar, wer hier gewissenlos ist.

  • auch wenn ich kein Freund von Günther Grass bin.
    auch wenn ich das Land Israel als ein tolles Land mit wunderbaren Menschen ansehe, ich sehe es gleich.
    Wir steuern auf einen atomaren Krieg zu und den gilt es mit allen Mitteln zu verhindern.
    Liebe Mitmenschen in der Welt, was muss noch Alles unternommen werden, damit wir alle wachgerüttelt werden. Über ein Gedicht gibt es einen weltweiten Aufschrei – über einen möglichen Atomkrieg hüllt man sich in Schweigen!
    Einfach toll

  • Die Verhamlosung des Grass-Gedichtes zeigt wieder einmal, welches Geistes Kind man in Deutschland immer noch ist. Die anisemitischen Äusserungen von Grass sind eine große Bedrohung der Demokratie und der Freiheit! Es darf nicht zugelassen werden, dass im Deutschland des 21. Jahrhunderts ein Dichter rechtsradikale Propaganda verbreitet und somit die Freiheit und die Demokratie gefährdet. Der Zentralrat der Juden hat sich immer für das Wohl der Menschen eingesetzt. Jeder vernünftige Mensch sollte Grass scharf kritisieren.

    • Aber es ist in Ordnung wenn man Israel in den Himmel lobt und alles für gut erklärt was dort passiert? Das hat nichts mit rechtsradikal zu tun, es wird einfach nur das Kind beim Namen genannt!

  • Herzlichen Dank, lieber Günther Grass ! Niemals dürfen wir es zulassen, dass Sie und wir unser Maul zu halten oder unsere Augen vor den bedrohlichsten Missetaten notorischer Psychopathen am Rande unserer Gesellschaft zu verschliessen haben !! Wir ermutigen Sie, weiter laut nachzudenken.

  • Günter Grass hat sich die Freiheit genommen. Er darf das, als Künstler ebenso wie als freier Bürger eines demokratischen Staates. Dass er mit einer in Sachen Israel irrational reagierenden Presse zurechtkommen muss dürfte dabei ebenso klar sein, wie die Tatsache, dass er einer breiten Mehrheit in der Bevölkerung aus der Seele spricht. Erst dadurch erhält meiner Meinung nach sein Gedicht den Status der Kunst. Ein Prosastück das zu bewegen versteht und das nicht etwa durch Parteinahme oder bloße Parolen des Gutwillens, sondern mit einer Lektion in Sachen Menschlichkeit und Gerechtigkeit, die sich unter der simplen Bildhaftigkeit der Darstellung verbirgt. Deutsche U-Boote und Erstschläge mit drohender Nuklearkulisse – ein UNO-Spiel mit bloßem Abnicken wäre eine verfehlte Einstellung.

  • Musste es gesagt werden?
    Natürlich. Nicht. Denn wir – D – wissen was wir mit vergabe von atombetriebenen U – Boote welche Möglichkeit für die besatzungsmacht eröffnen. Das muss bei Leibe Christi ja nicht die ganze Welt erfahren. Besser wir bleiben unter uns und arbeiten tüchtig darauf hin, dass der Mullahstaat wieder so wird wie vor gut 30 Jahren. als wir hingehen konnte und mitnahmen was wir wollten. nach dm Motto kaufe heute zahle nie. In soweit musste das nicht gesagt werden. Mahnen aber vor vehängnisvollen Affären ist Pflicht eines jeden logisch und gesund denkenden menschen. Herr Grass macht das in solch ein ausgezeichnetem DEUTSCH. Erst nach dem ich gelesen habe, was gesagt werden muss, bin ich dahinter gekommen was für herrliche und kompetente Sprache unsere ist. Ein Hoch an Herrn Grass dem DEUTSCHMEISTER.

  • Was gesagt werden muss

    Ein Mensch, der geistig
    eingeschränkt
    und den mit Namen jeder kennt,
    der einst bei der SS gewesen
    hat offenbart sei Geisteswesen,
    indem er nun sein Schweigen bricht
    und öffentlich zur Sache spricht.
    Ein Sozialist von dazumal
    war braun und dachte national,
    und heute ist ein linker Schwätzer
    auch Judenfeind und Judenhetzer.
    Natürlich kennt der alte Grass
    nicht ganz persönlich Judenhass,
    doch gut versteckt und eingelullt
    sind Juden doch an allem schuld.
    Dass im Islam ganz unverdeckt
    der Judenhass im Denken steckt,
    und der Iran die Bombe baut,
    wovor es auch dem Westen graut,
    um das verhasste Staatsgebilde
    zu liquidieren ohne Milde,
    all das verdrängt der Sozialist,
    der sehr beschränkt im Denken ist.
    Die Judenhasser im Iran
    sieht Grass mit großer Milde an,
    und äußert ungeschminkt empört,
    dass Israel den Frieden stört.

  • Für einen atomaren Schlag Israels gibt es politisch gesehen keine Anhaltspunkte, allerdings für konventionelle Schläge auf Atomanlagen. Was sich daraus entwickeln kann, ob und wie der Patriot Act eskaliert, ist ungewiss.

    Nun kann das Gedicht in die Richtung atomarer Schläge ausgelegt werden. Fakt ist, dass Israel über Atomwaffen verfügt und man an der Außenpolitik Israels durchaus Kritik üben kann.

    Dass Kritik an Israels Politik von vor allem von der jüdischen Bevölkerung als generelle Kritik an Israel gesehen wird, hängt mit der Vergangenheit zusammen, man tut man sich schwer, Jüdische Kultur, Religionszugehörigkeit und den Jüdischen Staat als voneinander getrennte Elemente zu sehen.

    Aus diesem Grund steht die Antisemitismukeule schnell ins Haus und wird Kritik – berechtigt und unberechtigt – als Bedrohung wahrgenommen wird bzw. mit der Angst verbunden, dass im Kern doch noch der alte, jederzeit an die Oberfläche kommende Antisemitimus steckt (das propagandistische Bild vom Finanzjuden, vom Untermenschen oder von der angeblichen jüdischen Weltverschwörung).

    Solange kein echtes Vertrauen und keine echten Argumente da sind, wird der Deutsche Michel daher weiterhin zum Trog der Springerpresse laufen.

  • Es ist schon merkwürdig wie manche sich in die Hose scheissen wenn einer mal Kritik an den auf ewig Unantastbaren macht die nie kritisiert werden dürfen und wenn mans macht gleich beleidigt sind. Es ist doch richtig wachsam zu sein. Was hat er denn verbrochen das man ihm gleich das Maul schliessen will und ihn in eine Ecke schiebt die Andere sich verbieten würden? Alle die noch die Phantasien von SS im Kopf haben sollten mal darüber nachdenken was die Ursache war warum ein Idiot die ganze Welt ins Unglück stürzen konnte. War es ein wachsamer Aufpasser und Mahner oder waren es diejenigen die fanatisch ihre Politik durchgesetz haben.

  • Vielen Dank, Günther Grass, für die freien Worte. Frei? Ist es in Deutschland in den letzten 50 Jahren je erlaubt gewesen, zu sagen/schreiben was man denkt? …Bedrohung der Demotraktie und Freiheit? Sind die jüngsten Attacken demokratischer Natur? Wenn wir immer noch nicht frei genug sind, um die g a n z e Bandbreite der Gedanken zu äußern, dann sind wir wahrlich nicht frei und Demokratisch.
    Danke Günther Grass für die Möglichkeit die Dinge auch einmal von einer anderen Seite sehen zu dürfen. Die Presse entzieht sich ja an diesem Punkt sehr gerne

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