Günter Grass Gedicht: Israel verhängt Einreiseverbot – Kritik gerechtfertigt?

Stephan Frey
Stephan Frey
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Guenter-Grass-Gedicht-Israel

Das Günter Grass Gedicht „Was gesagt werden muss“ und die Konsequenzen: Israel hat aktuell gegen Günter Grass ein Einreiseverbot erlassen.

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Grund ist nach wie vor das umstrittene Gedicht von Grass, welches von Israel scharf kritisiert wird.

Avi Primor: Einreiseverbot für Günter Grass ist „übertrieben“

Der frühere israelische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Avi Primor, hat das Einreiseverbot derweil als übertrieben bezeichnet.

In der ARD sagte Primor, dass der israelische Innenminister mit dem Einreiseverbot Innenpolitik betreibe. Primor stellte zudem klar, dass Günther Grass kein Antisemit sei.

Wohl aber kritisierte auch der frühere israelische Botschafter das Gedicht von Grass hinsichtlich der Aussage, dass Israel den Iran auslöschen wolle und bezeichnete das Gedicht an dieser Stelle als lächerlich.

Moshe Zimmermann: Einreiseverbot ist „absurd“

Auch der israelische Historiker Moshe Zimmermann bezeichnete das Einreiseverbot als „absurd“. Doch auch Zimmermann kritisiert Grass hinsichtlich der Aussage in seinem Gedicht.

Ebenfalls gegen das Einreiseverbot wandte sich der israelische Historiker Tom Segev. Segev bezeichnete den Erlass des Einreiseverbotes als „zynischen Schritt des Innenministeriums“.

Henryk Broder: Günter Grass-Gedicht ist ein „Leserbrief“

Kein Verständnis für Grass zeigt hingegen der jüdische Publizist Henryk M. Broder. In der „Welt“ schrieb Broder, dass Grass ein „larmoyanter Autist sei“.

Ebenso bezeichnete er das Gedicht von Grass als „Leserbrief“, was scheinbar abwertend gemeint ist.

Gleichzeitig schreibt Broder über Grass, dass dieser ein „überschätzter Literat sei“.

Immerhin hat Grass, im Gegensatz zu Broder, der zumindest in so mancher Fernsehsendung den Anschein eines puren Narzissten erweckt, den Literaturnobelpreis erhalten.

In der „Welt“ bezeichnete Broder Grass zudem als „Prototypen des gepflegten Antisemiten“.

Zum Thema: Iran-Israel Krieg? Angriff vorerst abgesagt

Grass hat Wahrheit ausgesprochen

Was aber genau ist es, was Broder und Israel so aufregt an dem Gedicht von Grass? Ist es die herausgenommene Freiheit, Israel zu kritisieren?

Ist es die Freiheit sich frei zu machen von jenen Schuldgefühlen der Deutschen, mit denen Broder und Seinesgleichen zu spielen scheinen?

Oder ist es einfach die Tatsache, dass Günter Grass in seinem Gedicht die Wahrheit ausgesprochen hat, nämlich ein Land zu kritisieren, dass zwar im Gegensatz zum Iran eine Demokratie ist, aber dennoch mit Netanjaju einen nationalistischen Kurs fährt und offen damit droht den Iran anzugreifen und damit in der Tat den Weltfrieden gefährdet?

Fest steht, dass Günter Grass warnen will, das Gehabe eines Herrn Broder und Seinesgleichen hingegen zeugt dabei jedoch scheinbar von jener Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, die die These von Grass eher stützen, denn widerlegen.

Auch eine Demokratie kann zum Kriegstreiber werden, die USA unter Bush haben es vorgemacht.

Weitere News: Günter Grass Gedicht über Israel: Musste es gesagt werden?

Günter Grass Israel Gedicht - Einreiseverbot ! Nobelpreis Aberkennung ? - Interview mit Avi Primor


Bsp. Grafik zum Artikel: Günter Grass Gedicht / Israel (c) st

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9 Kommentare
  • Richtig. Diese ganzen selbsternannten Publizisten und bedeutungsschwangeren Kritiker sollten mal aus ihrer ewiggestrigen Vernebelung heraustreten und der Wahrheit ins Auge blicken. Denn Israel ist hier bei Weitem schon lange nicht mehr nur das Opfer, was sich den bösen Mächten des Islam ausgeliefert sieht.

  • Das Unfassbare: Die Bild-Zeitung spricht immer noch von einem „Anti-Israel-Gedicht“ und schürt weiter das Märche des bösen Antisemiten. Die Springer-Presse zeigt in diesen Tagen mal wieder, für was sie einzig und allein taugt: Für die Tonne.

  • Naja, was bedeutet dieses ach so schlimme Einreiseverbot denn letzten Endes? Ich glaube, der Dichterfürst wird das verschmerzen können. Zum Trost, klimatisch bietet der Iran auch viel Gutes und Grass ist dort sicher herzlich willkommen! Grass sollte natürlich nicht unbedingt dann verreisen, wenn unmittelbar der erwartete Erstschlag bevorsteht..^^

    • Schon die Ankündigung Israels ggf. einen Erstschlag gegen den Iran führen zu wollen, gibt Herrn Grass ohne wenn und aber Recht. Wo blieb nach Israels Ankündigung die Empörung der Gutmenschen weltweit? Seit wann sind Angriffskriege gut zu heißen? Sollte man dann eventuell vergangene Kriege anders bewerten?

  • Diejenigen, die jetzt ein Einreiseverbot gegen Günter Grass aussprechen, sprechen nicht mit der Stimme des israelischen Volkes, sondern mit der Stimme der Kriegstreiber, die sich in den Reihen nicht nur der israelischen Regierung befinden. Pfui!

  • Was natürlich auch noch „gesagt werden musste“: Das Ganze ist eine großartige PR-Kampagne von Herrn Grass. (und seinem Verleger) Hut ab. Hier hat was funktioniert. Auf allen Titelseiten vorn ! Wenn das mal nicht die Buchverkäufe auf den Olymp katapultiert .. mit null Werbekosten. Nochmals: Hut ab !

  • Mitte des letzten Jahrhunderts wurde versucht die europäischen Juden auszurotten, was natürlich grauenhaft war/ist.Aber verbietet das jegliche Kritik an dem Land Israel bzw. dessen Politik für das nächste Jahrtausend – oder länger?Ich sehe die Menschen in Israel als Israelis und nicht als Juden.Es werden hauptsächlich ausgerechnet aus religiösen Motiven immer wieder Kriege und Terror geführt.Einer meiner Gründe keiner religiösen Gemeinschaft anzugehören….

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