Grüne Parteitag 2013: Erinnerung an Intrige gegen Claudia Roth 2002

Stephan Frey
Stephan Frey
5 min Lesezeit

Grüne Parteitag 2013: Erinnerung an Intrige gegen Claudia Roth 2002 – Beim Parteitag der Grünen in Berlin kam es zum Zepterwechsel. Während die langjährige Vorsitzende Claudia Roth mit stehenden Ovationen und minutenlangem Applaus verabschiedet wurde, wird kurz danach die neue Vorsitzende Simone Peter gewählt.

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Der bisherige männliche Teil der Doppelspitze, Cem Özdemir, konnte sich hingegen im Amt behaupten und wurde erneut wiedergewählt.

Cem Özdemir mit 71 Prozent gewählt

Claudia Roth indes verabschiedet sich von der politischen Bühne, aber nur scheinbar. Sie will stellvertretende Bundestagspräsidentin werden.

Der Parteitag der Grünen war so etwas wie die “Stunde Null“ für die Partei. Nahezu der gesamte bisherige Vorstand trat nach dem mageren Ergebnis von 8,4 Prozent bei der Bundestagswahl zurück.

Lediglich Cem Özdemir bewarb sich erneut und wurde mit 71,4 Prozent im Amt bestätigt. Die Nachfolgerin von Claudia Roth, Simone Peter, indes wurde mit 76 Prozent gewählt. Verglichen mit Claudia Roth wirkt die Nachfolgerin auf den ersten Blick eher blass.

Simone Peter neue Vorsitzende der Grünen

Allerdings ist dies angesichts der Person von Claudia Roth auch kein Wunder. War Claudia Roth doch so etwas wie das “bunte Aushängeschild der Grünen.“

Ganz ohne politisches Vermächtnis wollte Roth jedoch nicht gehen. Sie schrieb ihren Nachfolgern in einer bemerkenswerten Rede quasi die grüne Agenda für die Zukunft vor.

Für die Grünen, die bis auf Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt nun mit in der breiten Öffentlichkeit völlig unbekannten Personen in die Zukunft gehen, dürfte es so etwas wie ein politischer Neuanfang sein. Ob die neuen Köpfe auch in den Herzen der Menschen ankommen werden, bleibt indes abzuwarten.

Gegenkandidat von Özdemir weckt Erinnerungen an Intrige von Angelika Beer

Auffällig ist jedoch, dass im Gegensatz zu früheren Zeiten der Parteitag eher wie ein Harmonietreffen denn wie ein streitbarer Parteitag daherkam.

Einziger Höhepunkt war der, dass bei der Wahl zum Vorsitzenden Cem Özdemir einen völlig unbekannten Gegenkandidaten aus Essen hatte. Dieser erhielt jedoch nur knapp zwei Prozent der abgegebenen Stimmen.

Der unbekannte Gegenkandidat weckt jedoch Erinnerungen an das Jahr 2002. Damals durften die damaligen Vorsitzenden Claudia Roth und Fritz Kuhn nicht wieder zur Wahl antreten, weil die Trennung von Amt und Mandat in der Partei noch galt.

Zuvor wurde die damalige Bundestagsabgeordnete Angelika Beer nicht wieder für den Bundestag als aussichtsreiche Listenkandidatin aufgestellt.

Claudia Roth und Fritz Kuhn mussten Angelika Beer weichen

Hinter den Kulissen „bastelte“ Beer jedoch mithilfe eines Redakteurs der “Bild am Sonntag“ an einem Rettungsanker, um nicht in der politischen Versenkung zu verschwinden.

Beer bediente sich damals des Plöner Kreisgeschäftsführers der Grünen, den sie für ihre egoistischen Ziele missbrauchte. Der damalige Kreisgeschäftsführer von Plön sollte als Strohmann gegen Claudia Roth und Fritz Kuhn antreten.

Dadurch sollte die Diskussion um Amt und Mandat ins Rollen kommen, um Beer letztlich als neue Vorsitzende zu installieren. Letztlich mussten Roth und Kuhn damals bis zur Aushebelung der Trennung von Amt und Mandat auf den Vorsitz verzichten.

Gegenkandidat von Özdemir: Einmal Rampenlicht und zurück?

Angelika Beer wurde daraufhin mangels Alternative tatsächlich zur Vorsitzenden der Grünen gewählt. Später wurde sie dann ins Europaparlament abgeschoben und eine Legislaturperiode später nicht wieder aufgestellt.

Wie sehr Beer der politische Idealismus abhandengekommen war, trat zutage, als diese kurz nach der verpassten erneuten Aufstellung für das Europaparlament aus der Partei austrat und der Piratenpartei beitrat. Mittlerweile ist Angelika Beer Mitglied des schleswig-holsteinischen Landtages.

Ob hinter der jetzigen Kandidatur des Essener Kandidaten ebenfalls eine derartige Intrige steckt oder ob dieser lediglich deshalb gegen Özdemir antrat, um einmal im Rampenlicht zu stehen, sei dahingestellt.

Fest steht jedoch, dass es für die Grünen zukünftig schwer sein dürfte ohne die bekannten Köpfe Ergebnisse zu erzielen, wie sie beispielsweise bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart möglich waren. Claudia Roth indes wird bereits jetzt bei vielen vermisst.

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Bsp. Grafik zum Artikel: Grüne Parteitag 2013 / Claudia Roth (c) oh

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