Griechenland Krise: Tsipras im eigenen Land als Held gefeiert

Stephan Frey
Stephan Frey
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Während die gesamte Europäische Union der neuen griechischen Regierung die kalte Schulter zeigt, entwickelt sich der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras im eigenen Land zu einer Art Volksheld.

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Die Haltung von Tsipras, die Zusammenarbeit mit der Troika aufzukündigen und den Sparkurs im eigenen Land zu beenden, ruft in der griechischen Bevölkerung regelrechte Begeisterungsstürme hervor.

72 Prozent der Griechen stehen hinter Tsipras

Meinungsumfragen zeigen, dass 72 Prozent der Griechen es für richtig halten, dass die neue Regierung die Zusammenarbeit mit der Troika beendet hat. Auch Wähler der einstigen Regierungspartei Nea Dimokratia unterstützen zu 43 Prozent die Haltung von Tsipras.

Fraglich bleibt allerdings, inwieweit sich die neue griechische Regierung mit ihren Forderungen auf eine neue Verhandlung hinsichtlich der Staatsschulden mit der Europäischen Union einigen kann. Insbesondere Deutschland mauert, wenn es darum geht, die strikte Sparpolitik zu beenden.

Auch weitere Krisenländer mahnen zu Reformen

Zudem dürften sich der griechische Ministerpräsident und die deutsche Bundeskanzlerin spätestens seit der Forderung Griechenlands nach Reparationszahlungen für die Zeit des Zweiten Weltkrieges alles andere als wohlgesonnen sein. Selbst Italien, das im Prinzip in derselben Lage ist wie Griechenland, verweist darauf, dass Reformen notwendig sind.

Das Beispiel Portugal offenbart zudem, dass es möglich ist, durch die Umsetzung einer strikten Sparpolitik die eigene finanzielle Lage deutlich zu verbessern. Allerdings dürften sowohl in Italien wie auch in Portugal und erst recht in Griechenland einfache Bevölkerungsschichten besonders unter dem rigiden Sparkurs der jeweiligen Regierungen leiden.

Griechenland hat den möglichen Zerfall der Euro-Zone als Druckmittel

Letztlich würde ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone möglicherweise eine Kettenreaktion auslösen. Dies wiederum wissen auch die Staats-und Regierungschefs der übrigen EU-starten.

Insofern mag der wirtschaftliche Druck durch das Abschneiden Griechenlands von Geldzuweisungen seitens der EZB immens sein, Griechenland indes hat jedoch als Druckmittel den möglichen Zerfall der Euro-Zone und damit eine möglicherweise globale Wirtschaftskrise.

Insofern dürfte am Ende ein Kompromiss stehen, der Tsipras möglicherweise den Nimbus des Volkshelden nimmt, aber zugleich sein Gesicht wahren lässt. Gleichsam geht es darum, für die einfache Bevölkerung Griechenlands die Situation deutlich zu verbessern.

Insofern ist Alexis Tsipras zusammen mit seiner Regierung ein völlig neuer Typ von Politiker, nämlich einer, der tatsächlich vor der Wahl getätigte Versprechen auch nach der Wahl umsetzen will. Möglicherweise ist das der wahre Grund, warum die übrigen EU-Staaten Tsipras die kalte Schulter zeigen.

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Bsp. Grafik: Griechenland (c) da

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