Down-Syndrom: Bluttest umstritten

Stephan Frey
Stephan Frey
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Down-Syndrom-Bluttest-News

Down-Syndrom: Bluttest für schwangere Frauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Markt – Down-Syndrom: Menschen aus der Retorte, so oder ähnlich dokumentieren es Science-Fiction Filme im Kino und im Fernsehen.

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Menschen, die nur deshalb existieren dürfen, weil sie genetisch korrekt sind, so wirkt der Test auf Down-Syndrom auf den Betrachter.

Flucht ins 23. Jahrhundert: Aussortierung vor dem körperlichen Verfall

Der Test erinnert an den Science- Fiction Film „Flucht ins 23. Jahrhundert“ aus dem Jahre 1976, indem alle Menschen über 30 nicht mehr leben dürfen.

Dies gilt solange, bis die Menschen einen alten Mann finden, der die These von der dringend notwendigen Erneuerung widerlegt. Genauso verhält es sich mit dem umstrittenen Test auf das Down-Syndrom.

Pablo Pineda: Uni-Abschluss mit Down-Syndrom

Sicherlich bedeutet es eine Belastung für die Eltern, wenn diese wissen, dass ihr Kind, welches noch ungeboren ist, unter diesem „Gendefekt“ leidet.

Allerdings zeigt das Beispiel von Pablo Pineda, einem an Down-Syndrom „erkrankten“ Spanier, dass sogar ein Universitätsabschluss im Bereich des möglichen liegt, trotz Down-Syndrom.

Test soll erst ab der 12. Schwangerschaftswoche möglich sein

Zugegebenermaßen ist der Schweregrad und damit die Ausprägung des Syndroms vielfältig und oftmals so schwer ausgeprägt, dass Inkontinenz existiert oder die Sprache nur mangelhaft ausgeprägt ist, dennoch stellt sich die Frage, warum ein Bluttest auf das Down-Syndrom notwendig sein soll?

Seit Montag ist der umstrittene Bluttest auf dem Markt. Derzeit vertreiben ihn rund 70 Kliniken und Arztpraxen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Lichtenstein.

Der Test soll ab der 12. Schwangerschaftswoche erhältlich sein und Frauen zur Verfügung gestellt werden, die ein erhöhtes Trisomie 21-Schwangerschaftsrisiko aufweisen.

Kirchen wenden sich gegen die Selektion des Lebens

Neben den Kirchen hat auch der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung einen Verbot des Tests gefordert. Dieser sei nicht vereinbar mit der Menschenwürde so die Kritiker.

Der Bluttest wirke als Selektionsmittel für lebenswertes und nicht lebenswertes Leben, so die Kritiker übereinstimmend.

Die Befürworter des Tests hingegen argumentieren, dass der Test lediglich dazu diene, die Eltern seelisch auf die Zukunft mit dem behinderte Kind vorzubereiten.

Dass dabei die 12. Schwangerschaftswoche als Argument herhalten muss, wirkt dabei jedoch fast schon zynisch.

Diese Grenze gilt nämlich normalerweise als oberste Grenze für eine Abtreibung. Bei behinderten Föten hingegen ist eine Abtreibung bis weit in den siebten Schwangerschaftsmonat und darüber hinaus möglich.

Down-Syndrom Bluttest: Mittel der Euthanasie?

Insofern wirkt der Test nicht nur als Selektionsmittel, sondern kann durchaus als Euthanasie bezeichnet werden.

Ein Leben mit an Down-Syndrom erkrankten Kindern wirkt in vielerlei Hinsicht sogar als Bereicherung. Und wer die Betroffenen hat lächeln sehen, der wird auch zugestehen müssen, dass diese ihr Leben oftmals sehr lieben.

Gegen Genkartoffeln aber für Gentest

Warum also sollte hier der Natur ins Handwerk gepfuscht werden?

Der Mensch wendet sich gegen Genkartoffeln und Gentomaten, weil sie den eigenen Körper betreffen, sobald es jedoch um Dritte geht, scheint das Leben bereits im Mutterleib abgeschaltet zu werden, je nachdem ob es in die Wegwerfgesellschaft passt oder nicht.

Gesetzgeber gefragt

Der Gesetzgeber sollte ein Gesetzgebungsverfahren auf den Weg bringen, dass Eltern im Vorfeld des Testes bereits die Frage einer Abtreibung oder Nichtabtreibung schriftlich gegenüber einer Behörde oder eines Arztes kundtun müssen und erst dann den Test anwenden dürfen.

Dies würde zumindest zusichern, dass die Entscheidung für oder gegen das ungeborene Leben nicht durch den Test beeinflusst wurde.

Im Gegenzug sollte der Gesetzgeber zudem für die betroffenen Eltern im Falle eines positiven Testes für entsprechende Anlaufstellen im Sinne einer gezielten Lebensplanung mit dem Down-Syndrom-Kind sorgen. Dann und nur dann würde der Test einen Sinn ergeben.

Christliche Werte als Hüter der Moral

Als bloßes Selektionsmittel im Sinne der immer weiter um sich greifenden Wegwerfgesellschaft sollte zumindest nicht eines der letzten christliche Gebote über Bord geworfen werden: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, dazu zählt auch das ungeborene Leben.

Darf das Kind eines Vergewaltigers leben?

Was nicht bedeuten soll, dass in begründeten Fällen eine Abtreibung durchaus als gerechtfertigt angesehen werden muss.

Beispielsweise, wenn abzusehen ist, dass das Kind nur wenige Stunden überleben würde oder wenn das Kind im Zuge einer Vergewaltigung entstanden ist und die Mutter das Kind eher als Wiedergeburt des eigenen Traumas empfinden muss, denn als Geschenk des Lebens.

Allerdings fängt hier ebenfalls die Frage der Moral an, warum gerade dieses Kind nicht leben darf, weil das Kind nichts dazu kann.

Selbstbestimmungsrecht der Frau beachten

Hier ist allerdings abzuwägen, ob ein begangenes Verbrechen an der Selbstbestimmung der Frau nicht zumindest im Nachhinein (bis zur 12. Schwangerschaftswoche) eine nachträgliche Wiedererlangung derselben durch eine Abtreibung rechtfertigt.

Allerdings sollte vor diesem Schritt auch hier ein Gespräch auf seelsorgerischer Ebene mit der betroffenen Frau erfolgen und nach Möglichkeit das Leben des Kindes und der Mutter positiv gestaltet werden.

Wirtschaft war einer der Wegbereiter des Nationalsozialismus mit all seinen Folgen und selektiert erneut

Der Gentest indes weckt gewisse Erinnerungen an die Zeit von 1933-1945, auch wenn es die Wirtschaft nicht hören will.

Allerdings geht derselben die Moral in letzter Zeit offenbar zunehmend verloren. Letztlich war die Wirtschaft in großen Teilen auch am Zustandekommen des Nationalsozialismus beteiligt.

Insofern verwundert es auch nicht, wenn nun noch das Tabu des Lebens durch dieselbe abermals gebrochen werden soll. Diesmal aber unter dem Deckmantel der Freiheit, das Ergebnis, nämlich die Aussortierung von angeblich unwerten Lebens ist dasselbe.

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Bsp. Grafik zum Artikel: Down-Syndrom Bluttest (c) the

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