Die Linke Wahlparteitag: Oskar Lafontaines Ego-Nummer

Stephan Frey
Stephan Frey
4 min Lesezeit

Die Linke und ihr Wahlparteitag 2012 in Göttingen: Nicht der zu den Realos zählende Dietmar Bartsch, sondern der zum Oscar Lafontaine-Lager zählende Bernd Riexinger aus Baden-Württemberg wurde zum neuen Vorsitzenden der Linkspartei gewählt.

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Zur neuen Vorsitzenden wurde die Bundestagsabgeordnete Katja Kipping gewählt.

Katja Kipping: Versöhnliche Art

Während Kipping insbesondere durch ihre versöhnliche Art auffiel, erinnerte Riexinger in seiner Vorstellungsrede eher an einen sich ereifernden Oskar Lafontaine.

Zum neuen Bundesgeschäftsführer wurde der ebenfalls zu den Reformern (Realos) aus den neuen Bundesländern zählende Matthias Höhn gewählt.

Bernd Riexinger: Fundamentalopposition

Während die Reformer sich für eine an den realen Bedingungen orientierte Sachpolitik einsetzen, lehnt Riexinger und sein Lager diese dahingehend ab, als dass dieses sich auf eine Fundamentalopposition einstellt und diesen Kurs, wie Oskar Lafontaine auch konsequent durchhalten will.

Aus diesem Grunde lehnt Riexinger auch Kompromisse um den Preis ab, als dass daraus eine Regierungsverantwortung für die Linken erwächst.

Sahra Wagenknecht: Zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt

Zu einer der stellvertretenden Parteivorsitzenden wurde Sahra Wagenknecht gewählt. Zuvor hatte das einstige Aushängeschild der Linkspartei, Gregor Gysi, die Gefahr einer Spaltung heraufbeschworen.

Wie tief der Riss zwischen Lafontaine und Gysi zwischenzeitlich sein muss, zeigte die Rede von Oskar Lafontaine, der Gysi in vielen Punkten vehement widersprach und von einer Spaltung der Partei nichts hören wollte.

Oskar Lafontaine: „Nicht die Krönung meiner Karriere“

Lafontaine hatte zuvor dadurch Aufmerksamkeit erregt, dass er sich weigerte, mit Dietmar Bartsch in eine Kampfkandidatur um das Amt des Bundesvorsitzenden zu gehen.

Lafontaine begründete dies unter anderem damit, dass er sich die Krönung seiner Karriere anders vorgestellt habe als, durch eine Kampfkandidatur.

Scheinbar hatte Oscar Lafontaine Angst vor der geballten und berechtigten Wut der ostdeutschen Parteimitglieder, die zurecht die egomanischen Züge des Saarländers wiederholt kritisierten.

Nicht die Partei zählt demnach scheinbar für Lafontaine, sondern die Krönung der persönlichen Karriere.

Da wirkte das Motto des Parteitages, welches von Gerechtigkeit und Solidarität geprägt war, schon fast wie Satire.

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Der neue Vorsitzende: Eine Marionette Lafontaines?

Viele Linke aus den neuen Bundesländern fürchten nun durch die „Lafontaine-Marionette Riexinger“, wie der neue Bundesvorsitzende hinter vorgehaltener Hand von einigen Parteimitgliedern bereits bezeichnet wird, keinen Versöhnungskurs, sondern einen weiteren Konfliktkurs.

Es bleibt nur zu hoffen, dass Katja Kipping und Matthias Höhn ihren Einfluss der Gestalt geltend machen können, dass sich die Reformer letztendlich durchsetzen.

Sonst droht der Partei „Die Linke“ nach ihrem Wahlparteitag demnächst eine Spaltung, was zumindest für die Menschen in den neuen Bundesländern nicht das Schlechteste wäre.

Diese hätten dann nämlich eine Partei, die sich wie bisher im Osten auch an den Problemen der Menschen orientiert und nicht an innerparteilichen Machtkämpfen.

Es scheint, als säße das Gewissen der Linkspartei im Osten und der Teufel im Westen. Beides zusammen sollte einst ein höllisch gutes Team ergeben. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

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Bsp. Grafik: Linkspartei Wahlparteitag / Oskar Lafontaine (c) Die Linke

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7 Kommentare
  • Also, diejenigen führenden linken Politiker, die die Spaltung gebannt sehen, die leiden sicherlich an Sehstörungen. Da wird es wohl nichts mehr zu kitten geben? Wenn man den Herrn Riexinger unmittelbar nach seiner Wahl ansah, dann war der bestimmt nicht froh gestimmt, oder?

  • Bei dem allgemeinen Presse-Echo meint man es müsste eine grosse Bundespartei sein. Was ist es, ein zerstrittener Club der Politik Verweigerer.

  • Die Befürchtung einer geeingten Linken, die Grabenkämpfe hinter sich lässt, muss derart groß sein, dass eine Spaltung durch die Medien regelrecht herbeigebetet wird. Es wird mit Wunschdenken und Prognosen argumentiert, dabei hat der Vorstand der Linken gerade erst auf den Stühlen Platz genommen. Etwas mehr Sachlichkeit wäre angebracht.

  • In der Regel wird ein Streit durch Hass oder Unfrieden definiert. Und genau so ist es: Gregor Gysi hat persönlich und in aller Offenheit in Göttingen davon gesprochen, dass der Umgang der Vertreter der beiden Strömungen von Hass geprägt sei und sogar eine Trennung von West und Ost angedacht hat.

  • Mir scheint, dass die östliche Partei als Verkörperung der Interessen der Bürger, die in der DDR groß geworden sind, aber sich immer noch nicht verstanden fühlen, zukunftsträchtiger ist als die fundamentalistische Westlinke, die nur dann Erfolge feiern kann, wenn sie sich von einer SPD in Regierungsverantwortung absetzen kann. Der Misserfolg der Linken im Westen erscheint mir darin begründet zu sein, dass man sich fragt, was denn aus seiner Stimme wird, wenn man sie einer Partie gibt, die grundsätzlich gegen alles ist.

  • Danke für den unsachlichsten Artikel, den ich bisher zum Thema lesen durfte. Das war keine einfache Leistung, schließen überbieten sich fast sämtliche Medien seit Wochen in Sachen dümmlichem Bashing der „radikalen Fundamentalisten“ (lol).

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