AfD-Parteitag Essen: Wie wird man zur Splitterpartei?

Stephan Frey
Stephan Frey
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Beim AfD-Parteitag in Essen in der Grugahalle musste sich der bisherige Parteivorsitzende Bernd Lucke seiner bisherigen Co-Vorsitzenden Frauke Petry geschlagen geben.

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Lediglich 38 Prozent der anwesenden Parteimitglieder stimmten für den bisherigen Vorsitzenden und Gründer der AfD.

Parteitag der AfD: Rote Karte für Lucke

Lucke wurde mit Häme und Roten Karten sowie zahlreichen Buhrufen begrüßt. Grund war der von ihm gegründeten “Weckruf 2015“.

Der innerparteiliche Verein wurde gegründet, um die AfD vom rechtsextremen Spektrum deutlich abzugrenzen. Durch die Wahl von Petry zur alleinigen Parteivorsitzenden dürfte die Parteien nunmehr aber so weit nach rechts geschwenkt sein, dass eine Abgrenzung zu rechtsextremen Parteien nur noch schwer vollzogen werden kann.

Neuer Vorstand der AfD extrem national-konservativ

Insbesondere zahlreiche in den neuen Vorstand der Partei aufgerückte Parteimitglieder des extrem national-konservativen Spektrums zeugen von diesem neuen Gedankengut in der Partei. Aber auch zahlreiche Pöbeleien gegen Anhänger von Lucke offenbaren, welche Saat durch den Parteitag in Essen innerhalb der AfD aufgegangen zu sein scheint.

Austrittswelle setzt ein: AfD verliert zahlreiche Abgeordnete

Das rund 1500 Mitglieder nach der Abwahl des bisherigen Parteivorsitzenden am anderen Tag nicht mehr anwesend waren, zeugt zudem davon, dass viele Mitglieder nun die AfD verlassen. So traten beispielsweise Hans Olaf Henkel, Joachim Starbatty, aber auch der baden-württembergische Landesvorsitzende und Europa-Abgeordnete Bernd Kölmel sowie die schleswig-holsteinische Landesvorsitzende und Europa-Abgeordnete Ulrike Trebesius aus der Partei aus.

Auch Konrad Adam, wie Bernd Lucke Gründungsmitglied, will offenbar die Partei verlassen. Während der wirtschaftsliberale Flügel innerhalb des “Weckruf 2015“ über die Gründung einer neuen Partei abstimmen lassen will, dürfte die “Rumpf-AfD“ nunmehr zur zukünftigen außerparlamentarischen Opposition und damit zur Splitterpartei verkommen.

Lucke und Henkel gehen: Seriöse Außenwirkung durch Pöbelei ersetzt

Ihr dürfte damit ein ähnliches Schicksal beschieden sein wie der Statt-Partei in Hamburg, der früheren Schill-Partei in Hamburg, und den Republikanern, die seit dem Vorsitzenden Schönhuber ebenfalls ins rechtsextreme Spektrum abgedriftet sind. Grundsätzlich ist es so, dass Parteien rechts von der CDU hinsichtlich der Abgrenzung zu rechtsextremen Parteien ihre Schwierigkeit haben.

Die AfD verbuchte ihre politischen Erfolge nicht zuletzt dadurch, dass so bekannte Persönlichkeiten wie Hans-Olaf Henkel, Konrad Adam oder der Ökonomieprofessor Bernd Lucke der AfD ein seriöses Außenbild verschafften und für konservative Kreise auch eine elitäre Außenwirkung vermittelten.

Saat geht auf die Lucke einst selbst gesät hatte

Gleichermaßen zeigte der Parteitag in Essen auch wofür die neue AfD steht, Pöbeleien, Beschimpfungen und plumpe Parolen gegen Migranten, Flüchtlinge sowie Journalisten. Gleichsam muss man den Gründungsmitgliedern der Partei den Vorwurf machen, dass sie die AfD nicht bereits von Anfang an gegenüber derartige rechtsextreme Kreise abgegrenzt haben. Insofern geht nun die Saat auf, die unter anderem Bernd Lucke gesät hat.

Frauke Petry: AfD zur APO machen

Frauke Petry indes dürfte letztlich die Parteivorsitzende sein, die die Partei zu einer Splitterpartei und damit zu einer außerparlamentarischen Opposition gemacht hat.  Denn auch wenn auf dem Parteitag pöbelnde AfD-Mitglieder gegen die so genannte “Lügenpresse“, die angebliche “Überfremdung“ und gegen den Euro gewettert haben, letztlich zählen nicht auf dem Parteitag ausgegebene Kraftausdrücke, sondern es zählt das Votum des Wählers.

Und der Wähler hat immer noch jede Partei abgestraft, die sich von der Vernunft hin zu extremen Tendenzen orientiert. Dieses Schicksal wird nun auch die AfD ereilen, denn, anders als in anderen Ländern, haben die Deutschen aus ihrer Geschichte gelernt und strafen Parteien am rechtsextremen Rand mit relativer Nichtachtung. Um eine berühmte Berliner Persönlichkeit zu zitieren, die von AfD-Mitgliedern ebenfalls angepöbelt würde, da sie bekennend schwul ist, “und das ist auch gut so!“

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Bsp. Grafik: Alternative für Deutschland / AfD-Partei (c) cc/Lore&Guille

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